Die Pläne des Landrates Andreas Müller, das Akutkrankenhaus Bad Berleburg zu erwerben und somit in kommunale Trägerschaft zurückzuführen, hat viele Akteure in der Region überrascht. Durch diese öffentlich in einer Presseveranstaltung geäußerten Pläne des Landrates wurde auch erstmals bekannt, dass der VITREA Konzern das Akutkrankenhaus in Bad Berleburg veräußern möchte, um sich auf seinen Schwerpunkt der Reha-Versorgung konzentrieren zu können.
Ja, wir befinden uns in sehr konkreten und erfolgsversprechenden Gesprächen mit unterschiedlichen Interessenten (möglichen Erwerbern), so dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu einem Trägerwechsel kommen wird. Elmar Knoche, Geschäftsführer VITREA Klinik
Nachdem die Verkaufspläne durch die öffentlichen Äußerungen von Landrat Müller bekannt wurden, hat der Geschäftsführer der VITREA Akutklinik in Bad Berleburg reagieren müssen, um insbesondere einer Verunsicherung in der Belegschaft, aber auch in der Bevölkerung entgegenzuwirken. In einem Schreiben an die Belegschaft nimmt Knoche Stellung zu den Plänen und erläutert auch die Gründe für das plötzliche Bekanntwerden. "Gegenüber dem Unternehmen und den Kaufinteressenten haben wir eine Vertraulichkeitserklärung abgegeben, an die wir uns auch halten." Ebenfalls im Vertrauen war Andreas Müller als Landrat als einer der wenigen Akteure informiert. "Der Kreis hat uns gegenüber in Kenntnis der Verkaufsabsichten zu keinem Zeitpunkt Interesse an einer Übernahme geäußert", begründet Knoche seine Enttäuschung darüber, dass Landrat Müller die Verkaufspläne unabgesprochen gegenüber der Presse im Rahmen einer Veranstaltung zur Neuausrichtung der Krankenhauslandschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein öffentlich gemacht hat.
Ich lehne dieses unabgesprochene Verhalten von Herrn Landrat Müller, insbesondere in Bezug auf die Kommunikation, entschieden ab! Elmar Knoche im Schreiben an die Mitarbeiter der Klinik
Damit wurde dem Geschäftsführer Knoche die Möglichkeit genommen, seiner Aufgabe nachzukommen, die Mitarbeiter selbst als erster zu informieren. Er sieht durch diesen Vertrauensbruch seine Reputation im Hause geschwächt und ggf. auch die Gespräche gefährdet.
Ob nach einer Übernahme durch den Kreis und der beabsichtigten Eingliederung in das Kreisklinikum Siegen das Krankenhaus Bad Berleburg weiterhin so eine positive Entwicklung machen würde, wird von unserer Seite angezweifelt. Martin Schneider, CDU Fraktionsvorsitzender
Auch die CDU in Bad Berleburg wurde von der Nachricht des Krankenhausverkaufs in Bad Berleburg als auch von der Initiative des Landrates überrascht. Dazu Martin Schneider, Fraktionsvorsitzender der CDU: "Für den Verkauf des Krankenhauses ist es nachvollziehbar, dass Verkaufsverhandlungen vorerst nicht in der Öffentlichkeit geführt werden." Der Kreis Siegen-Wittgenstein hat den Sicherstellungsauftrag für die Krankenhausversorgung im Kreisgebiet, insofern ist es für Schneider auch korrekt, dass Landrat Müller vertraulich zu den Plänen informiert wurde. "Nach unseren Informationen ist aber bei den Verkaufsverhandlungen zu keiner Zeit der Kreis als Kaufinteressent aufgetreten", erläutert Schneider sein Befremden über die Art der Kommunikation von Landrat Müller.
Das Krankenhaus in Bad Berleburg hat nach dem Ende als Kreiskrankenhaus und der dann folgenden Führung durch private Träger eine sehr positive Entwicklung gemacht. Martin Schneider, CDU Fraktionsvorsitzender
Nach dem Ende der Akutklinik als Kreiskrankenhaus wurde verstärkt in die vernachlässigte Infrastruktur investiert und insbesondere durch eine innovative neue strategische Ausrichtung wurde die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses und auch sein Ruf deutlich verbessert. "Dem Krankenhaus Bad Berleburg hat der Betrieb durch private Träger, zuletzt VAMED/VITREA sehr gut getan", ist Fraktionsvorsitzender Schneider für die CDU überzeugt.
Eine adäquate wohnortnahe medizinische Versorgung in unserer ländlichen Region ist extrem wichtig - darin sind sich alle einig. Aber wie kann diese sichergestellt werden? Dazu hat die CDU Bad Berleburg eine klare Meinung: Dem Krankenhaus Bad Berleburg hat der Betrieb durch private Träger sehr gut getan. Ob das nach einer Übernahme durch den Kreis und einer beabsichtigten Eingliederung in das Kreisklinikum Siegen so weiter gehen würde, daran hat die CDU erhebliche Zweifel. "Denn schon in der Vergangenheit wurde durch den Kreis die Krankenhauslandschaft in Siegen immer deutlich mehr unterstützt als das Wittgensteiner Krankenhaus", begründet Fraktionsvorsitzender Schneider die CDU Zweifel. "Hier ist zu befürchten, dass es zu Leistungsverschiebungen vom Bad Berleburger Krankenhaus in Richtung Siegen kommt, um die Krankenhauslandschaft dort weiter zu stärken", so Schneider weiter.
Die Gefahr ist groß, dass die Akutklinik in Bad Berleburg von dem Konzept des Landrates nicht profitieren, sondern der große Verlierer sein wird! Martin Schneider, CDU Fraktionsvorsitzender
Des Weiteren stellt sich für die CDU die Frage nach der Finanzierung der Übernahme aller Krankenhäuser durch den Kreis. Wenn nun vollmundig verkündet wird, dass der Landrat durch einen weiteren Beschluss 25 Millionen Euro zusätzlich für Investitionen in den Standort Weidenau in den Entwurf des Kreishaushalts einbringen will, dann sollte er auch die Ehrlichkeit besitzen, zu verkünden, dass diese Millionen und die weiteren Millionen für die Krankenhausübernahme eine weitere Erhöhung der Kreisumlage bedeuten und damit ein erneuter Dolchstoß für die finanzgeplagten Kommunen sind.
Und für die Folgejahre wird dann die komplette Krankenhauslandschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein Jahr um Jahr über die Kreisumlage finanziert werden. Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser ist der Plan des Landrats ein Millionengrab, was sich vollends zu Lasten der Kommunen auswirken wird.
So schön der Vorschlag des Landrats im ersten Moment vielleicht klingen mag, so sicher sind wir, dass Bad Berleburg von dieser Idee nicht profitieren wird. Martin Schneider, CDU Fraktionsvorsitzender